Montag, 7. Juli 2008

Grüße aus Obersalzberg

Am Samstag riss gleich einer der ersten Besucher im neuen Berliner Wachsfigurenmuseum Madame Tussauds den Kopf von Hitler ab.

Graf von Stauffenberg wäre stolz auf ihn.

Nach dieser Reaktion auf die Ausstellung Hitlers, bei der es sich offenbar um eine spontane Wette um "Ruhm" handelte, wird weiterhin heftigst über die Berechtigung diskutiert. "Ist es in Ordnung Hitler als Wachsfigur auszustellen?", fragen sich viele Nazis und Nicht-Nazis. Dazu Joseph Göbbels: "Nein, Adolf ist doch keine Wachsfigur! Er ist eine Witzfigur!"

Wer der Meinung ist, Hitler gehöre nicht in ein Museum das die deutsche Geschichte widerspiegelt, der hat im Geschichtsunterricht wohl immer das Mäbchen seines Sitznachbarn vom Tisch geworfen. Das Ignorieren von Hitler in solch einer Ausstellung ist unzulässig. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, sagte:

„Ich bin nicht unglücklich, wenn die Figur nicht wieder aufgestellt wird."

Aber warum? Was ist der Sinn dessen? Vielleicht ist es der immer noch stark ausgeprägte Hass gegenüber des früheren deutschen Diktators, das Ziel diese Zeit endlich zu vergessen. Der Plan dieses Zeitstück zu verdrängen gestaltet sich äußerst schwierig, immer wieder trifft man auch Anspielungen. Es ist auch nicht gut das zu ignorieren. Wer Hitler ignoriert, ignoriert über zehn Jahre der deutschen Geschichte. Nein. Der missachtet Jahrzehnte deutscher Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Hitler wird immer eine Rolle spielen. Ein aktueller Bericht aus der Neon behandelt dieses Thema, besser gesagt die Wirkung des Hitlerbarts auf die Umwelt. Der Zweifingerbart wird auch heute verständlicherweise noch mit dem Diktator assoziiert. Das wird er auch noch in zehn, zwanzig und dreißig Jahren.
Es wäre fatal, eine historische Figur, die so viel Grauen angerichtet hat, so viel zerstört hat, so leicht davon kommen zu lassen. Und vor allem auch die noch heutigen Anhänger des Führers müssen sich so keinerlei Konfrontation stellen.
Wenn Hitler in der deutschen Geschichte ignoriert wird, lieber Herr Kramer, dann werden auch 50 Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs ignoriert. Und Ignoranz führt zur Vergessenheit.

Die Wachsfigur Hitler gehört ins Madame Tussauds Berlin, vor allem wenn sie sogar im Londoner steht. Der Unterschied: In Deutschland sitzt er am Ende - im Bunker. Im Madame Tussauds von London steht er siegessicher im Anzug mit Hakenkreuz. Die Emotionalität beider Bilder ist eine völlig andere. Die Wirkung des englischen Pendants total deplatziert.

Allerdings darf den Besuchern die Wachsfigur nicht einfach hingestellt werden. Es müssen Informationen über Hitler und seine Taten veröffentlicht sein, damit auch der letzte Einwohner Texas' irgendwann weiß, dass Hitler tot ist und wir nicht seinen Geburtstag feiern.
Und das ist der Fall.

Übrigens: Eine Sprecherin des Museum bestätigte die Rückkehr der Hiter-Figur.

1 Kommentar:

Novem hat gesagt…

"Wenn Hitler in der deutschen Geschichte ignoriert wird, lieber Herr Kramer, dann werden auch 50 Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs ignoriert."

Finde das ist ein sehr wichtiger Satz, den sich mal alle die dagegen sind zu Herzen nehmen sollten.