Montag, 26. Januar 2009

WDR über Blogger

Am Wochenende in Dortmund besuchte uns eine Redakteurin des WDR-Magazins "Westpol". Gestern Abend strahlte der WDR die Sendung dann aus, wer es verpasst hat, kann es an Ort und Stelle nochmal sehen.
Wie schon in der Diskussion mit David Schraven wurde über die angeblich verlorene Unabhängigkeit der Blogger berichtet. Ich schreibe es gerne noch einmal, dass ich 17 Jahre alt bin und lediglich ein monatliches Taschengeld beziehe. Mit meinen finanziellen Möglichkeiten bin ich also nicht in der Lage eine Fahrt von 200 Euro und für den Aufenthalt zu bezahlen. Zu sagen, dass ich es dann bleiben lassen sollte, halte ich für ungerecht. Wer so argumentiert, möchte auch Stipendien an gute Schulabsolventen verbieten, Sozialhilfen absetzen und die GEZ aufheben, denn ohne die wäre der ganze Beitrag gar nicht möglich gewesen. Wer also von Unabhängigkeit berichtet, sollte selbige auch in den eigenen vier Wänden betreiben.
Die Off-Stimme aus dem WDR-Bericht sagt:
"Kann man so etwas wie Unabhängigkeit in Blogs überhaupt erreichen, schließlich sind sie so etwas wie private Tagebücher, kein Journalismus."
Man spürt förmlich, wie die Redakteurin am liebsten fünf Ausrufezeichen ans Satzende geknallt hätte und suggeriert, dass Journalisten unabhängig seien, womit wir bei dem alten Blogger vs. Journalisten-Kampf angelangt sind. An der Stelle erwähne ich, dass David Schraven selbst Journalist ist. (Berichtigung: Er hat lediglich vor etwa zehn Jahren etwas für den WDR gemacht. Ist für seine Kontakte zum WDR aber nach wie vor bekannt.)
Ein Journalist, der hinter sich Redaktionen, Herausgeber, Intendanten, Geschäftsführer, Verleger, Verlage, Chefredakteure, etc. hat kann nicht unabhängig sein, lieber WDR! Das ist vollkommen unmöglich. Öffentlich-rechtliche Anstalten sind abhängig von den jeweiligen Landesregierungen, anders ist der Stock, der dem SWR im Hintern steckt auch nicht erklärbar.

Wer mein Blog, wie es weder der gesponsorte Herr Schraven noch die gesponsorten Redakteure des WDRs längerfristig, gelesen hat, wird festgestellt haben, dass ich in meinen Ansichten durchaus eine politische Nähe zu den Grünen habe. Viele Texte wurden nicht gelesen, schließlich habe ich schon im Vorfeld meine Mitarbeit innerhalb der Grünen Jugend erwähnt und habe in nächster Zukunft aufgrund der großen Politik nicht vor, in die Partei einzutreten. Allerdings hinderte mich dies nicht an einer objektiven Berichterstattung, ebenso wenig die finanzielle Unterstützung der Partei. Soll politische Aktivität zukünfitg objektives Bloggen verbieten? Mir ist vollkommen klar auf was der Beitrag des WDRs zielt, nämlich auf das Medium Internet. Der Kommentar der Westpol-Moderatorin zeigt das sehr deutlich:
"Die PR-Maschine hat also auf jeden Fall schon mal funktioniert, das muss man sich als Nutzer des Internets immer wieder klar machen."
In diesem Satz ist die Angst, die das Fernsehen vor dem Internet hat, richtig zu spüren. Dem Zuschauer wird eindringlich gesagt, dass nur auf das Fernsehen Verlass wäre, in Sachen Unabhängigkeit, was natürlich großer Blödsinn ist.
Besonders verwunderlich ist es nicht, dass David Schraven Teil dieser Kampagne ist. Als Journalist ist auch sein Arbeitsplatz gefährdet. Sein Blog betreibt er täglich, um andere Dinge zu berichten. Man muss sich schließlich absichern, falls es in der Zeitungsbranche keinen Platz mehr gibt. In dieser Branche schreibt er übrigens für den größten deutschen Blender-Verlag, der berühmte Axel Springer-Verlag, welche das Blatt Die Welt besitzt und damit fast für keine abhängigere Zeitung schreiben könnte. Dieser Blogger setzt auf die Unabhängigkeit der Blogger und entzieht ihnen eben diese, indem er sie abhängig an die gesamte Blogosphäre nagelt. Generell entzieht die Abhängigkeit an die Unabhängigkeit wiederum jegliche Anhängigkeit. Wer seinen "Status" als Blogger authentisch beibehalten sollte, der sollte Geschriebenes und Gesagtes auch selber vorleben. Das greift die Glaubwürdigkeit viel weitreichender an als jedes Parteitagsgeblogge.
Gegen das bezahlte Bloggen für Unternehmen bin ich auch, schließlich wird dort nicht freischaffend über ein Produkt geschrieben, sondern gezielt Geld bezahlt. Der WDR wirft ein anderes Licht darauf. Und zwar auf die gesamte Blogosphäre, was von Anfang an das Ziel war. Herzlichen Glückwunsch, Herr Schraven, dass Sie auch Teil dieser Kamapne waren. Sie haben entweder sich als Journalisten geholfen oder sich als Blogger und der Szene geschadte, suchen Sie es sich doch einfach aus - ganz unabhängig.
Dass ich nicht objektiv war kann man mir beim besten Willen nicht vorwerfen. Mit Sätzen wie
11:52 Uhr: Fritz Kuhn ist hier! Er hat ausgeschmollt.
oder
12:28 Uhr: Hm, wer spricht da vorne gerade? Ah, jetzt wirds eingeblendet: Claudia Roth.
oder auch
14:07 Uhr: Wenn viele in der Halle in Gespräche vertieft sind, Zeitung lesen und durch die Gegend gehen, dann tendiert die Relevanz des Themas gen null.
habe ich der Partei sicherlich keinen Honig um den Mund geschmiert. Ich habe mich selber dafür entschieden, an diesem Parteitag teilzunehmen. Ich würde liebend gern auf einen Parteitag der CDU oder FDP gehen, allerdings kann ich mir die anfallenden Kosten nicht leisten. Deswegen halte ich es nach wie vor für lächerlich mir die Glaubwürdigkeit abzusprechen, weil ich für eine Tätigkeit, die mir Spaß macht, Unterstützung erhalten habe und leider nicht das Geld habe 300 Euro fürs Bloggen auszugeben. An dieser Stelle bedanke ich mich bei den Grünen für die freundliche Betreuung vor Ort, die gegebende Schreibfreiheit und muss feststellen, dass weder der WDR noch David Schraven im 21. Jahrhundert angekommen sind.
Aber wie sagte die WDR-Redakteurin vor Ort so schön zu mir?
"Unsere Zuschauer sind um die 60."
Das wird ja wohl nicht noch Gründe haben, oder?

Kommentare:

dogma_p hat gesagt…

ohne worte. nur so viel: danke!
einer muss es mal sagen.

Anonym hat gesagt…

Besser als ein Artikel im Spiegel! Vom Wahrheitsgehalt eines Spiegel-Artikels mal abgesehen! ;-)

mikel hat gesagt…

Du hast einen guten Job da gemacht.
Und was da ausgestrahlt wurde ist nichts als die Fassungslosigkeit vieler Berufs-Schreiber und Rundfunkanstaltler (die sind übrigens nicht alle so) angesichts der Möglichkeiten, war doch das Fernsehen und der Funk dem Print bisher alleine überlegen, was Aktualität betrifft. Hätten sie nur etwas tiefer recherchiert und auch die Tweeds näher angesehen, dann wären sie noch mehr erschrocken. Diese äußerst witzige hin und her auch in den Saal und wieder zurück, mit leibhaftigen Lndesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten im Tweet, das verstehen sie nicht. Sie hätten Angst ihre Distanz zu verlieren, die scheinbar unabhängige Berichterstattung garantiert.
Sie haben vor allem das Wesen von Blogs nicht verstanden. Es geht in Blogs nie um eine unabhängige, distanzierte Berichterstattung, sondern um Meinung pur. Bewusst subjektiv. Ein neues Genre.
Und das hst Du gut vertreten, wobei deine Tweeds besser waren als das Blog. Lass dich nicht kirre machen!

Ich in übrigens 57, auch wir sind nicht alle so.

5monne hat gesagt…

Ich fand deine Berichterstattung von der BDK sehr unterhaltsam. Vor allem deine Fragen in den Interviews, allen voran die an Tarek, fand ich sehr gut, nicht so typischer Interviewstil, sondern mal was Alternatives.
Und ich stimme Mikel zu: wenn ich einen Blog lese, dann gehe ich davon aus, dass ich keine neutrale Berichterstattung erhalte. Wenn ein Blog "neutral" berichtet, kann er sich auch Zeitung nennen.

Heiner hat gesagt…

Ich habe den WDR-Beitrag auch mit einigem Amüsement zur Kenntnis genommen und musste dabei unweigerlich an Frau Kathage denken, die mir am Telefon versicherte (sinngemäß, kann mich leider nicht mehr an den Wortlaut erinnern) dass sie selbstverständlich fair über das "Blogging" berichten werden. Der ganze Beitrag erweckt etwas den Eindruck, als seien die Redakteure nicht völlig unbeeindruckt von der Ansicht ihrer Chefin Monika Piel über das Web2.0 ;-)
(Zitat Indiskretion Ehrensache: Ohnehin habe sie sich dieses Webzwei angeschaut und das seinen nur sich ausziehende Hausfrauen vor künstlichen Pflanzen)

Lukas hat gesagt…

sehr guter artikel von dir!

und das der WDR mal absolut gar nichts verstanden hat, zeigt sich alleine schon dadurch, dass blogs als internettagebücher bezeichnet werden.

(und für den spitzenartikel hast du dir einen eintrag in meiner blogroll verdient ;) )

Lukas hat gesagt…

Mein Arzt hat mir verboten, noch länger über diesen WDR-Bericht nachzudenken.

Falls der WDR mal "Spiegel" spielen und sich das ständige Journalisten-Bashing der Blogger selbst herbeirufen wollte, hat das geklappt.

marie hat gesagt…

Die Berichterstattung der Blogger war sehr gut. So konnte mal nachvollziehen was so auf einem
Parteitag abgeht. Vor 30 Jahren tauchten die Grünen mit Turnschuhen in der Politik auf und wurden belächelt. Heute ist es erlaubt auf ihrem Parteitag zu bloggen und waren bei mancher Wahl der vergangenen Jahrzehnte das Zündlein an der Waage. Schade, dass manche Journalisten noch nichts von dem Sprichwort gehört haben: "Wer zuletzt lacht, lacht am Besten." ... Anmerkung: ich bin weder Anhänger noch Mitglied der Grünen - sondern frei und unabhängig. aber was wahr ist, muss wahr bleiben!

Einfallspinsel hat gesagt…

Auf den ersten Blick müsste sich die ganze Bloggerszene, besonders aber die 5 Blogger vom BDK der Grünen, eigentlich beim „Ruhrbaron“ bedanken.
Schließlich hat er die Blogger-Thematik ins Fernsehen gebracht. Offensichtlich verfügt er als „unabhängiger“ Blogger über hervorragende Kontakte zum noch unabhängigerem WDR...

Bei näherer Betrachtung agiert der Ruhrbaron, wie es sein Name schon quasi andeutet, nicht nur auf Gutsherrenart, sondern auch selbstherrlich und –verklärlich.
Vielleicht hat er sich ja auch als Blogger für den BDK beworben, fiel durchs Sieb und ist jetzt nur
frustriert, eher unwahrscheinlich, aber die Gedanken sind frei. Oder er hat einfach schon abgehoben und glaubt er sei der „Gottvater“ aller Blogger. Möglicherweise stellte er so was ähnliches bis vor kurzem dar, aber die Zeiten sind jetzt vorbei. Für mich ist er ein nur noch ein eitler Nestbeschmutzer und Blender.

Seine journalistischen Tätigkeiten und Beiträge verleiten zu glauben: Der Mann sei frei und unorthodox, der schreibt ja für alle Blätter, egal welche Richtung. Setzt man sich intensiver damit auseinander kommen noch andere Ideen ins Spiel. Der Mensch lebt ja bekanntlich nicht nur vom Brot allein, ich denke der Ruhr“baron“ hält einfach da die Hand auf wo es warm rauskommt. Beiträge in TAZ, ZEIT und WELT gegensätzlicher geht’s kaum noch: Schaut man sich dann während des WDR-Beitrages das häusliches Umfeld des Herrn Schraven an, sieht man wie gut sich als „freier und unabhängiger“ Journalist leben lässt, wenn man als nach allen Seiten offen gilt und einfach flexibel ist was die Absenders der Überweisungen betrifft.
Im übrigen waren die Berichte aller Blogger von der BDK der Grünen für mich objektiv und neutral, leicht lesbar geschrieben, mit Sinn für Satire und einer Prise Emotionen.
Natürlich sieht jeder die Dinge aus seiner Sicht, aber das ist normal und zeichnet die Blogger aus.